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Kein Schutz vor neugierigen Verfolgern im Netz:
Nichts ist geheim
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Die beste Tarnung nutzt nichts im Internet - jeder Surfer hinterläßt Spuren
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Hamburg - Nichts im Internet ist geheim. Wer im stillen
Kämmerlein vor dem Computer sitzt und per Mausklick durch die
virtuellen Welten unterwegs ist, kann sich zwar vor den Augen seiner
Mitbewohner oder Nachbarn verstecken. Doch den vielen neugierigen
Blicken, die seine Bewegungen im Netz verfolgen, ist er schutzlos
ausgesetzt. Für Spurensucher im Netz ist es eine leichte Übung,
"digitale Fußspuren" zu verfolgen.
Mit der Internet-Protokoll-Nummer (IP-Nummer), die jeden mit dem
Internet verbundenen Rechner eindeutig identifiziert, lässt sich
feststellen, wann ein Nutzer welche Seiten besucht hat. Ein Selbsttest
unter http://www.netreal.de/test/ip/ zeigt, welche Informationen beim
Aufrufen einer Internetseite gespeichert werden: Zeit, eindeutige
Rechner-Adresse (IP), Browsertyp, Betriebssystem, vorher besuchte
Internetseiten und Host-Rechner, über den der Nutzer auf das Internet
zugegriffen hat.
Gezielte Werbung durch Persönlichkeitsprofile
Weitere Informationen liefern so genannte "Cookies". Sie sind eine
kurze Zahlenfolge, die beim Aufrufen einer Seite auf dem Rechner des
Nutzers gespeichert wird. Cookies ermitteln zum Beispiel, was ein
Surfer auf einer Webseite macht und wie oft er sie besucht.
Von diesen Informationen profitieren vor allem Werbetreibende. Immer
mehr Firmen ließen von professionellen Datensammlern
Persönlichkeitsprofile von Internet-Nutzern erstellen, mit deren Hilfe
sie gezielt werben können, teilt der von den Universitäten Bayreuth,
Bochum und Clausthal betriebene Informationsdienst Wissenschaft (idw)
mit. Aus der Tatsache, dass jemand online eine Eintrittskarte für die
Computermesse CeBIT ordert, eine Pizza anfordert und ein als Geschenk
verpacktes Buch bestellt, könne zum Beispiel gefolgert werden, dass ein
stressgeplagter Computerfachmann vor dem Bildschirm sitzt.
Schlechterer Tarif wegen Krankheits-Recherche?
Hannes Federrath vom Institut für Informatik der Freien Universität
Berlin geht noch weiter. Er hält es in der Zukunft für denkbar, dass
Lebensversicherungen vor einem Vertragsabschluss Erkundigungen über
mögliche Kunden einholen: "Stellen Sie sich vor, Sie haben zuvor
zufällig im Internet Informationen über eine schwere Krankheit gesucht,
an der ein Freund von Ihnen leidet. Vielleicht wird Ihnen dann nur noch
ein ungünstiger Tarif angeboten", sagt Federrath.
Die Datensammelwut kennt kaum Grenzen. Manche Software-Firmen nutzen
zum Beispiel Updates der Surfer im Netz, um Informationen wie
Konfigurationen des Computers oder gespeicherte Musikkataloge von der
Festplatte zu ziehen. Einige Fälle sind dem Bundesamt für Sicherheit in
der Informationstechnik (BSI, im Internet unter http://www.bsi.de) in
Bonn bekannt. Darüber hinaus gibt es immer wieder Hinweise darauf, dass
Firmen die über Online-Formulare gesammelten Kundendaten nicht nur für
den eigenen Gebrauch nutzen, sondern auch verkaufen.
Systematische Überwachung des weltweiten E-Mail-Verkehrs?
Auch elektronische Post ist weit von der Sicherheit eines
zugeklebten Umschlags mit Briefmarke entfernt. "E-Mails passieren viele
Knotenpunkte und Verteilerstellen. Jede Person, die dort Zugang zum
Server hat, kann die Mail lesen, verändern, kopieren oder auch
löschen", sagt der Hacker Newbàrret. Es gebe in der Szene auch
Werkzeuge, um Mails "im Vorbeiflug zu kopieren". Darüber hinaus habe
der E-Mail-Anbieter Zugriff auf die gesamte Korrespondenz.
Manche Experten gehen gar von einer systematischen Überwachung des
weltweiten E-Mail-Verkehrs aus. Nutzergemeinden verweisen immer wieder
auf ein Lauschsystem des US-amerikanischen Geheimdienstes. Davon ist
auch Newbàrret überzeugt: "Natürlich geht so etwas, sogar ohne Spuren
zu hinterlassen." Das BSI hat zwar bisher nur Informationen aus
Presseberichten über das Thema. Technisch hält jedoch auch BSI-Sprecher
Michael Dickopf eine systematische E-Mail-Überwachung für möglich.
Vorsicht bei Direkt-Verbindungen
Auch Nutzer des so genannten Peer-to-Peer-Verfahrens, wie es
beispielsweise auch Musiktauschbörsen nutzen, können versehentlich
freien Zugriff auf private und sensible Daten erlauben. Bei einer
Recherche fand das Online-Magazin "Computer Channel" sämtliche Bank-,
Kreditkarten- und Versicherungsinformationen einer achtköpfigen Familie
in den USA heraus.
Kriminelle Energie müsse der Datenspion dabei nicht aufbringen. Wer
sich an Dateitauschbörsen beteiligt, muss bei der Anmeldung
verschiedene Ordner auf der Festplatte freigeben, von denen andere
Nutzer Musikstücke, Liedertexte oder Videos herunterladen können.
Gefährlich sei dabei nicht nur die Freigabe der falschen Verzeichnisse,
auch Viren und Hacker könnten über diese Öffnung ins System eindringen,
berichtet "Computer Channel".
Spuren verwischen im Anonymizer
Hilfe versprechen Verschlüsselungstechniken für E-Mails und
Anonymisierungsdienste fürs Internet. Mit "Pretty Good Privacy" (PGP)
etwa lassen sich E-Mails verschlüsseln und mit einer digitalen
Unterschrift versehen. Darüber hinaus rät Newbàrret im Browser
Funktionen wie Cookies, Java und ActiveX Browser auszuschalten. Ein
Forscherteam der Freien Universität Berlin hat die
Anonymisierungssoftware "Java Anon Proxy" entwickelt, die Datenspuren
im Internet verwischen soll. Einen ähnlichen Service hält das
Internetangebot http://www.anonymizer.com bereit.
"Häufig reicht ein gesundes Misstrauen"
Absolute Anonymität könne es jedoch nicht geben, sagt
BSI-Pressesprecher Dickopf: "Viele Daten müssen einfach anfallen, da
sie für die Kommunikation erforderlich sind." So brauchen
Internetprovider zum Beispiel Daten für die Abrechnung und den
reibungslosen Betrieb. Personenbezogene Daten sollten nur an
vertrauenswürdige Anbieter gegeben werden. "Häufig reicht ein gesundes
Misstrauen", sagt Dickopf.
Miriam Tang, gms - Foto: gms
http://rhein-zeitung.de/on/01/05/02/internet/news1.html 02.05.2001 © RZ-Online GmbH · 56073 Koblenz
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